Hafenmuseum |  Ms Bleichen

Sa. 17.09.2016  | 14:00

Als Nichtschwimmer auf den Weltmeeren. Meine Seemannsjahre

Hagen Decke liest aus seinem weitgehend autobiografischen Roman.

Schräge Vögel quälten und schikanierten den naiven Jüngling aus der Provinz, der nur seinen Lord Jim von Joseph Conrad als idealistisches Leitbild kannte – und nicht die brutale Wahrheit. Als die Seefahrt für Schiffsjungen und Matrosen noch aus täglicher Schwerstarbeit bestand und aus langen Aufenthalten in den Häfen, fuhr er bei der Bremer Großreederei HANSA während der 1960er und 70er zur See. Als zwei im Biskaya-Orkan losgerissene Lokomotiven sein Schiff Kybfels mit 53 Männern an Bord auf den Grund des Atlantiks schicken wollten und alle jeden Moment damit rechnen mussten, von der See geschluckt zu werden wie der Fisch vom Adler, rettete ihr todesmutiger Storekeeper sie schließlich alle. In der Not lernte er einen außergewöhnlichen Mannschaftsgeist kennen – und in Rotterdam das Hollandmädchen Rheé. Er widersetzte sich den verhungernden Kindern am Hafentor von Bombay, um nicht selbst getötet zu werden. Er betete Grace an, die aber erhörte ihn nicht. In New York und anderswo geriet er in moralischen Morast, aus dem ihn schließlich nur noch seine Bücher zu retten vermochten – und endlich die Flucht. Deecke hat ein packendes, ein authentisches Buch geschrieben, man wundert sich, dass der Autor aus der Sache so „heile“ rausgekommen ist. Nach seiner Flucht wird er Redakteur beim Hamburger Abendblatt. Und überhaupt, die große Hansestadt spielt im „Nichtschwimmer“ eine wichtige Rolle, auch ein Mädchen aus der Isestraße.

Und nicht zuletzt die ewige Hanse-Konkurrentin Bremen, wo alles begann. Hagen Deecke porträtiert in großer Dichte seine Schiffe, die Schurken darauf und die feinen Kerle – und die ewige Schufterei auf See. Er beschreibt das Elend der Langeweile, schwelgt von glücklichen Zeiten auf schönen Schiffen, über das Glück, als junger Mann „draußen“ gewesen zu sein. Und das alles zu einer Zeit, bevor der Container die alte Seeschifffahrt zu revolutionieren begann und dort kein Stein auf den anderen ließ. Nichts mehr ist heute noch so, wie es einmal war.

Alle Guten in diesem weitgehend autobiografischen Roman werden mit ihren richtigen Namen genannt; die Bösen erkennen nur die wieder, die damals mit dabei waren.